Lektürekurs: „Das Kapital“ Band 3

Die Treffen werden 14-tägig in der Waldschmidtstraße 39 in den Räumen des Nachbarschaftszentrums (NBZ) Ostend stattfinden. Außerdem findet weiterhin Teilnahme über Internettelefonie per Tischmikrofon statt. Neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind herzlich willkommen!

Im nächsten Jahr jährt sich das Erscheinen des ersten Bandes des „Kapital“ zum 150. Mal. Obwohl Marx erst knapp 16 Jahre später starb, erschien aus verschiedenen Gründen zu seinen Lebzeiten kein weiterer Band des „Kapital“. Es war Engels, der nach Marx‘ Tod die mühevolle Arbeit der Herausgabe des zweiten (1885) und dritten Bandes (1894) aus den hinterlassenen Manuskripten übernahm. Wenn auch Marx im ersten Band die kategorialen Fundamente seiner Kritik und Darstellung der kapitalistischen Produktionsweise gelegt hat, ist das „Kapital“ als ein „artistisches Ganzes“ aller drei Bände konzipiert und kann nur als solches begriffen werden.
Marx gibt zu Beginn des dritten Bandes einen Überblick über die drei Bücher des „Kapital“:

„Im ersten Buch wurden die Erscheinungen untersucht, die der kapitalistische Produktionsprozeß, für sich genommen, darbietet, als unmittelbarer Produktionsprozeß, bei dem noch von allen sekundären Einwirkungen ihm fremder Umstände abgesehn wurde. Aber dieser unmittelbare Produktionsprozeß erschöpft nicht den Lebenslauf des Kapitals. Er wird in der wirklichen Welt ergänzt durch den Zirkulationsprozeß, und dieser bildete den Gegenstand der Untersuchungen des zweiten Buchs. Hier zeigte sich, namentlich im dritten Abschnitt, bei Betrachtung des Zirkulationsprozesses als der Vermittlung des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses, daß der kapitalistische Produktionsprozeß, im ganzen betrachtet, Einheit von Produktions- und Zirkulationsprozeß ist. Worum es sich in diesem dritten Buch handelt, [ist], die konkreten Formen aufzufinden und darzustellen, welche aus dem Bewegungsprozeß des Kapitals, als Ganzes betrachtet, hervorwachsen. In ihrer wirklichen Bewegung treten sich die Kapitale in solchen konkreten Formen gegenüber, für die die Gestalt des Kapitals im unmittelbaren Produktionsprozeß, wie seine Gestalt im Zirkulationsprozeß, nur als besondere Momente erscheinen. Die Gestaltungen des Kapitals, wie wir sie in diesem Buch entwickeln, nähern sich also schrittweis der Form, worin sie auf der Oberfläche der Gesellschaft, in der Aktion der verschiedenen Kapitale aufeinander, der Konkurrenz, und im gewöhnlichen Bewußtsein der Produktionsagenten selbst auftreten.“(MEW 25, S. 33)

Für Leserinnen und Leser der ersten beiden Bände ist der dritte Band u.a. auch deshalb von Interesse, weil erst hier eine Reihe von Fragen beantwortet werden, die sich während der Lektüre der ersten beiden Bände des „Kapital“ stellten, dort aus methodischen Gründen aber nicht beantwortet werden konnten. Neu eingeführt werden u.a. die Kategorien Kostpreis, Durchschnittsprofitrate und Produktionspreis. Die zuvor bereits entwickelte Krisen- und Klassentheorie findet einen (vorläufigen) Abschluss. Erstmals ausführlich dargestellt werden das Handels-, Bank- und Aktienkapital sowie das moderne Grundeigentum. Weiterhin geht Marx auf das Verhältnis von Kapital und Ökologie, den „tendenziellen Fall der Profitrate“, die Spaltung des Profits in Zins und Unternehmergewinn bzw. die Trennung von Kapitalfunktion und -eigentum, die verschiedenen Formen des Fetischcharakters des Gesamtprozesses der kapitalistischen Produktion sowie den expansiven Charakter des Kapitals und vorkapitalistische Formen der Produktion ein. Auch für feministische Kritik ist der dritte Band von Bedeutung, geht es doch auch dort um das Verhältnis zwischen individueller Reproduktion und der Reproduktion des Kapitals sowie um die Teilung der Arbeit zwischen den Geschlechtern und die entsprechenden Geschlechterverhältnisse.

Erstes Treffen: Sonntag, 11. September 13:00 – 16:00

Veranstaltung auf Facebook:
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